„Das Regenorchester“ Roman von Hansjörg Schertenleib
„Ich habe mir nie ein anderes Leben gewünscht oder vorgestellt. Sich ein anderes Leben zu wünschen bedeutet doch, dass man ein anderer Mensch sein möchte. Dass man lieber andere Erfahrungen gemacht hätte. Dass man lieber andere Menschen kennengelernt hätte. Dass man andere Dinge wissen möchte, als die, die man weiß. […] Und das wäre doch eine unerträgliche Vorstellung, nicht?“
Niamh – Das Regenorchester, S. 159
Genre: Roman
Verlag: Aufbau Digital
Erstveröffentlichung: 2008
Seiten: 230 (E-Book)
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-8412-0857-6
Ein schweizer Schriftsteller sitzt nach der Trennung seiner Frau alleine in seinem Haus in Irland. Er ist nicht nur verlassen, sondern auch noch betrogen worden. Als Gesellschaft ist ihm nur der ehemals gemeinsame Papagei geblieben, mit dem er sich noch nie besonders gut verstanden hat.
Als er die 60jährige Irin Niamh kennenlernt, ahnt er nicht, wie sehr sie sein Leben und seine Einstellung dazu verändern wird. Sie zeigt ihm wie liebens- und lebenswert das Leben ist, trotz aller Höhen und Tiefen. Sie berichtet von Familie, Freunden, Wegbegleitern und verlorener Liebe, genauso wie von Trauer, Wut, dem Loslassen und dem Vergessen.
Gemeinsam mit Niamh dokumentiert der Schriftsteller ihre Lebensgeschichte, die ihn völlig in ihren Bann zieht und die sich nach und nach mit seiner eigenen Geschichte zu verweben beginnt. Zwischen den beiden entsteht eine große Verbundenheit und Vertrautheit.
Die Geschichte ist sanft, fließt langsam und ist sehr angenehm zu lesen. Dabei eröffnen sich den Lesenden immer wieder neue Details. Es entstehen melancholische Szenen, aber auch Situationen voller Freude und Leben. Die Charaktere werden im Verlauf der Geschichte nicht nur greifbarer, sondern es lässt sich auch eine Weiterentwicklung und Veränderung erkennen. Vieles dabei bleibt jedoch zwischen den Zeilen und muss von den Lesenden selbst interpretiert werden. Ein Merkmal das auch sehr gut zu den beiden Protagonisten passt.
Keine Szene oder Beschreibung in dem Buch wirkt zufällig, sondern bewusst platziert, um das Mit- und Nachdenken anzuregen. Für mich bleibt vor allem der Gedanke, dass das eigene Leben genauso wie es ist, richtig ist, denn sonst wäre es nicht unser eigenes.
Oft wird das Buch auch als Liebesroman bezeichnet. Und obwohl man keine klassische Liebesgeschichte erlebt, so handelt es doch von der Liebe zum Leben.
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